Zur

Hydrologie
des Süßwasser-Aquariums

                                                    


Aquaristik:  Die Grundlagen verstehen

3. BIOLOGISCHE ASPEKTE II

b. Desinfektion
UV-Licht
Chemische Mittel
Atomarer Sauerstoff
Elektrolyse
 



Desinfektion

In der Unzahl der Mikro-Organisman im Wasser befinden sich nur wenige wirklich schädliche, manche aber sind unerwünscht.

In panischer Angst vor Krankheitserregern gerät so mancher in eine Ausrottungsmanie (bei Aquarianern schließt das auch Algen und ihre Sporen ein) und stürzt sich völlig unüberlegt in einen Vernichtungskrieg gegen die mikro-biologische Welt. Aber es ist ein blind geführter Krieg: Der Feind ist nach Art, Ort und Konzentration weitestgehend unbestimmt und von den Freunden nicht trennbar. Das Ziel ist deshalb, alle herumschwirrenden Mikroben zu vernichten - ausnahmslos. Eine Möglichkeit, die Microben-Konzentration gezielt zu reduzieren oder gar Mikroben-Gruppen auszunehmen, ist in praxi nämlich nicht gegeben, zumal die Wirkung mit einfachen Mitteln nicht hinlänglich messbar ist.


[aus W. Busch "Max und Moritz"]

Bei den nicht-chemischen Verfahren sind die an der Nitrifikation beteiligten Bakterien weniger betroffen, weil sie sich in Masse nicht im freien Wasser aufhalten - leider glauben viele, das genüge. Im Allgemeinen sind Desinfektionen im Süßwasser-Aquarium nicht nur nicht erforderlich, sondern schädlich - zumal bei Dauereinsatz.
Die wirkungsvollste Waffe ist die tödliche Bestrahlung durch
energiereiches UV-C-Licht
Das zu behandelnde Wasser wird an einer Strahlenquelle vorbeigeströmt:


[ Prinzip-Skizze ]

Die Wirksamkeit ist abhängig von

- der Strahlungsleistung [W],
- dem Abstand von der Strahlungsquelle [m],
- der Einwirkdauer [s], i.e.
= dem Strömungsweg [m]
= der Strömungsgeschwindigkeit [m/s]

                                           ---   Das ordnungsgemäß behandelte Wasser ist tot   ---  
Zudem ist zu beachten:

Starke UV-Strahlung
spaltet Chlor und seine Verbindungen auf, wobei sich Chlorid-Ionen bilden
Cl2 = 2*Cl- + 2*p+
spaltet Nitrat auf zu Nitrit plus Sauerstoff
2*NO3 = 2*NO2 + O2
tötet auch alle prozessnotwendigen Mikroben,
soweit sie sich in der bestrahlen Strömung befinden.


In dem ungezielten Vernichtungskrieg gegen Mikroben werden zumeist
Biocide

eingesetzt, auch Antibiotika, wobei nicht einmal die Wirkstoffe, geschweige denn weitere Inhaltsstoffe bekanntgegeben werden - das betrifft ganz besonders Antialgen-Mittel. Man kann gar nicht sicher wissen, wogegen und wie vorgegangen werden soll - gezielt ist das nicht möglich, die "Kollateralschäden" sind enorm. Vorsicht!
Dass echte Desinfektionsmittel wie Chlor und seine Verbindungen im Aquarium keinesfalls in Frage kommen, muss nicht betont werden. In der Wasserwirtschaft werden vorwiegend eingesetzt:


Salicylsäure und Kupfervitriol

        

Salicylsäure C7H6O3 mit 1,25 [mg/l]                                    Kupfersulfat CuSO4.5 mit 0,252 [mg/l]

Spezielle Biocide und Antibiotika sollen hier nicht besprochen werden, da sie in die Hand der Tierärzte gehören. Die Literaturempfehlung ist
Dr Gerald Bassleer: "Der neue Bildatlas der Fischkrankheiten",Westmeerbeek, o.J., 1.

Für die meisten Krankheitsfälle gilt ohnehin:                             Sofort isolieren, von Qualen erlösen, Wasser optimieren
mag's auch noch so schwerfallen...

Zwei natürliche Eigenschaften des Wassers können zur Verbesserung des Wassers und auch der Gesundung beitragen:

der Säuregrad pH und das Redox-Vermögen

In saurem Wasser pflegen sich Mikroben weniger wohl zu fühlen (allerdings auch diejenigen, die für die Stoffwechsel gebraucht werden), so dass es notwendig sein dürfte, Fischen aus saurem Milieu dieses auch zu gewähren, weil ihr Immunsystem darauf eingestellt ist. Die Anpassung des pH-Wertes wird später besprochen...

Die Erhöhung der Redox-Spannung durch Zufuhr aggressiven Sauerstoffs ist ein bewährtes Verfahren. Wirkungsvoller als die einfache Luftverwirbelung (zumal da nur wenig Sauerstoff und der auch noch in der weniger aggressiven molekularen Form O2 vorliegt) ist die

direkte Zufuhr von Sauerstoff in Form von

von "Aktiv-Sauerstoff" H2O2
 (= Wasserstoffsuperoxid = Wasserstoffperoxid), der im Wasser dissoziiert zu
atomaren Sauerstoff O1
H2O2 = O1 + (OH- + p+)

oder von Ozon O3, das im Wasser dissoziiert zu molekularem und ebenfalls
atomarem Sauerstoff O1
O3 =  O2 + O1

In beiden Fällen zerstört das einzelne extrem bindungswillige Sauerstoff-Atom O1 in großem Umfang Spuren-Ionen, organische Verbindungen und Mikroben. Da sich zwei Sauerstoff-Atome schnell zu einem Sauerstoff-Molekül verknüpfen,
O1 + O1 = O2
wird gleichzeitig das Wasser auch stark mit Sauerstoff angereichert, die Redox-Spannung steigt.

Im Oxydator wird die nachzufüllende H2O2-Lösung im Wasser dissoziiert,                im Ozonisator wird elektrisch O3 erzeugt und zugeführt          

                              
           
Nicht unwichtig: Im Gegensatz zum Oxydator kann der Ozonisator über einen Redox-Controller angesteuert werden!

Bei nicht vollständiger Lösung sieht das in praxi so aus:

+ H2O2                                                    
  + O3
  4*H2O2 = H2O2 + O2 + O1 + (3*HO- + 3*p+)              bzw        2*O3 + H2O= O3 + O2 + O1 + (OH- + p+)


Ein weiteres Verfahren, aggressiven Sauerstoff zuzuführen, um insbesondere Pilz- und Algen-Sporen zu dezimieren, ist die

Elektrolyse des Wassers      



Bei ausreichender Spannung zwischen zwei ins Wasser eingeführten Elektroden spalten sich von den Hydroxid-Ionen HO- die Wasserstoff-Atome als Kationen H+, wobei die Elektronen an den Sauerstoff gebunden bleiben, so dass die Sauerstoff-Atome nun über ein zweites überzähliges Elektron verfügen, sie also zu doppelt geladenen Sauerstoff-Anionen O-- umgebildet sind:

HO- = O-- + H+ 

Die Anionen streben zur Anode und geben dort ihre überzähligen Elektronen ab, Kationen streben zur Katode und nehmen Elektronen auf; es werden die H- und O-Atome vervollständigt:

O-- + 2*e- = O        und         H+ + e- = H 

Beide Atome sind bestrebt, sich mit Ihresgleichen zu Gas-Molekülen zusammenzuschließen, welche aufsteigen.

O + O = O2
           und            H + H = H2

Das Sauerstoff-Gas kann sich im Wasser lösen, wodurch sich die Reaktionsfähigkeit erhöht, also die Redox-Spannung ansteigen sollte - in praxi aber fällt sie stark ab. Vermutet wird, dass ein wesentlicher Teil der O-Atome sich nicht gleich zusammenschließt, sondern als atomares Gas in Lösung übergeht, was besonders aggressive Raktionen hervorriefe. Obwohl das noch nicht wirklich geklärt ist, wird das Verfahren in der Aquaristik eingesetzt in der Absicht, durch agressive Oxidation
Algen, Schädlinge und auch Schadstoffe
zu bekämpfen.

Gesichert sind Erfolge keineswegs, werden allerdings kolportiert - gerade im Eliminieren von Algensporen.


             


Ungeklärt ist der Abfall der Redox-Spannung,      auch die Wirkungen auf Spuren-Ionen sind unklar...


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Neumünster, 08.02.2026      *      Egbert W Gerlich     *     ewg@ew-gerlich.de