Aquaristik:
Die Grundlagen verstehen
3. BIOLOGISCHE ASPEKTE I a. Mikro-Biologie Mikroben Stickstoff Naturalisieren Mikroben ![]() Natürliches
Wasser ist nicht tot, in
jedem Wassertropfen tummeln sich viele höchst
lebendige Mikro-Organismen, "Mikroben", die sich gegenseitig, über die
Artgrenzen hinweg, beeinflussen. Ein Aquarium als Mikro-Ausschnitt der
weitläufigen Natur funktioniert nur, wenn das mikrobielle Gleichgewicht
gegeben ist. Mikroben sind zentrale Elemente des Ökosystems sie
verstoffwechseln Schadstoffe und Schädlinge.Die allermeisten Probleme im Süßwasser-Aquarium,
Den wichtigsten, am wenigsten bekannten, am schwierigsten zu nutzenden Schlüssel bildet das Mikrobiom.
Keineswegs ist es ausreichend, die chemische Mineralstruktur zu
beobachten, wenn dies auch am einfachsten ist. Allerdings werden die
Schwierigkeiten, Spurenelemente richtig zu strukturieren, weit
übertroffen von denen, das System der Mikroorganismen zu beurteilen und
zu optimieren. Glücklicherweise regeln sich die Mikrobiome auch bei
unspezifischer Unterstützung hinlänglich von selbst. Krankheiten - Schmarotzer - Algenblüte - Wassertrübung sind zurückzuführen auf massive Störungen des physikalisch-chemisch-biologischen Öko-Systems und sie verschwinden, wenn das Systemgleichgewicht wiederhergestellt wird. ![]() ![]() Nicht abhalten lassen vom Titel! ![]() Einige wichtige Gemeinsamkeiten:
1. Eine Analyse nach Art und Menge ist schwierig
2. Mikroben bilden artübergreifende Kolonien ("Teppiche") 3. Die Beeinflussung erfolgt ebenfalls über die Arten und Formen hinweg 4. Die Wirkung einer Kolonie hängt ab von Artenstruktur und -priorität 5. Je vielfältiger die Mikrobiome, desto natürlicher der Lebensraum ![]() Der Stickstoff-Kreislauf wird zwar als chemischer Vorgang
beschrieben, es handelt sich aber in Wirklichkeit um biologische
Prozesse, bei denen Mikroben in ihrem Stoffwechsel die chemischen
Umsetzungen durchführen.
Ohne diese spezifischen Organismen in ihrer spezifischen Umgebung gibt es keine Umwandlungen! Notwendig beteiligt sind verschiedenartige Mikro-Organismen - und zwar solche, welche leben
im aeroben Umfeld, also im Sauerstoff-Überschuss
im anaeroben Umfeld, also im Sauerstoff-Mangel Aerobe Bakterien
oxidieren Ammonium/Ammoniak zu Nitrit
(NH4+) + 2*O2 + 2*e- = NO2- + 2*H2O
2*NH3 + 4*O2 + 2*e- = 2*NO2- + 3*H2O + O1 oxidieren Nitrit NO2- zu Nitrat NO3-
2*NO2- + O2 = 2*NO3-
Anaerobe Bakterien
zersetzen Urea N2H4CO zu Ammonium NH4+ (pH<7) und Ammoniak NH3 (pH>7)
N2H4CO + H2O + p+ = 2*NH4+ + HCO3-
N2H4CO + H2O = 2*NH3 + HCO3- + p+ verarbeiten Nitrat NO3- und Nitrit NO2- zu den molekularen Gasen Stick- und Sauerstoff
2*NO3- = N2 + 3*O2
2*NO2- = N2 + 2*O2 Für eine sichere Beherrschung des Stickstoff-Systems, für eine sichere Vermeidung von Nitrit- und Ammoniak-Vergiftungen müssen sowohl aerobe (sauerstoffreiche) als auch anaerobe (sauerstoffarme) Mikrobiome aktiv sein. ![]() ![]() Mikroben existieren überall und
schwirren auch durch die Luft; stehengebliebenes Wasser reichert sich
schnell mit Bakterien an - darauf beruht die Notwendigkeit, neu
eingerichtete Aquarien vor dem Fischbesatz erst einmal "einzufahren",
denn es müssen sich erst jene Bakterien ansiedeln und vermehren
(deshalb schon so füttern, als wären die vorgesehenen Fische bereits
eingesetzt!), die obige Vergiftungen verhindern. Sicherer ist es,
geeignete Bakterienstämme gezielt einzusetzen:
Für den aeroben Bereich, wo zu Nitrat NO3 oxidiert werden soll:
Bakterien der Gattungen Nitrosomas (NH3 > NO2) plus Nitrobacter (NO2 > NO3)Für den anaeroben Bereich, wo zu Stickstoff N2 reduziert werden soll:
Bakterien der Gattung Thiobacillus (NO2 > N2)Darüber hinaus leben in natürlichen Gewässern viele weitere Bakterien, welche zur Gesundheit und zur Gesundung des Aquariums unerlässlich sind: ![]() ![]() Wer seinen häuslichen Joghurt selbst herstellt, erlebt an Geschmack und Kontingenz,
Vielzahl der eingesetzten Stämme- wie das Endprodukt abhängt von der - wie sich die Kolonien verändern in der
Abfolge der GenerationenAnaloges geschieht in den Mikrobiomen des Aquariums. Ganze Kolonien verändern sich in Zusammensetzung und Wirkung, ganze Stämme verschwinden oder werden überdeckt, so dass es sinnvoll ist und äußerst hilfreich, die Biome regelmäßig zu ergänzen. Hier ein Beispiel für brauchbare Produkte: ![]() ![]() Obwohl die Anhänger der
HIGA-Theorie sich gerne in die Grenzbereiche zur Esoterik begeben und
ihre Erfahrungsberichte manchmal ins Unerklärbare und
Nicht-Nachvollziehbare entgleiten, kann die regelmäßie Zugabe von
EM = Effektive Mikroorganismen in der Aquaristik ebenfalls hilfreich sein. Dabei handelt es sich in geeigneter Nährlösung um Milchsäure-Bakterien Photosynthese-Bakterien Hefen ![]() Da die zugrundeliegende Hypothese
nicht nachgewiesen - und kaum nachweisbar - ist, soll sie hier nicht
besprochen werden, sondern anf den Wikipedia-Link
wird verwiesen. Wenn auch die ursprüngliche Zielsetzung eine andere war
und einige Versprechungen sehr fragwürdig sind, haben sich auch in der
Gewässersanierung unbestreitbare Erfolge eingestellt.
![]() Um den hinzugefügten Mikroben eine bessere Ansiedlung zu ermöglichen, ist es äußerst sinnvoll, die Bakterien in einer Zeolith-Lösung dem Wasser zuzuführen! ![]() Neumünster, 02.02.2026 *
Egbert W Gerlich *
ewg@ew-gerlich.de
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