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19.05.2014


 


Egbert W Gerlich, Neumünster 2007

Wettfahrten besser verstehen                       

1.1  Wegerecht I 

Es gibt einen (Privat-) See im schönen Absurdistan, dort, wo Wassersport einfach dazugehört und wo man nicht mehr Scheine verlangt, als der Gesetzgeber vorgeschrieben hat  - sehr zum Leidwesen aller Verbandsfunktionäre -, auf diesem See hatten die Eigentümer in der Nutzungsordnung festgelegt, dass - da nicht alle Nutzer vorschriftenkundig seien - generell ein "Rechts-vor-links" gelte. Ob das noch gülig ist? Nicht auszudenken, was im Falle eines Personenschadens die Juristen dazu sagen könnten, denn vor Gericht ist man - wie auf Hoher See - allein in Gottes Hand... 

Zum Glück gibt es eine gültige Rechtslage, wonach
derjenige sich freihalten muss, der kein Wegerecht hat, und
derjenige Wegerecht hat, der sich nicht freihalten muss.



Vorbemerkungen
1. Meiner Mutter selig erzählte einst ihr Fahrschullehrer von der Grabstein-Inschrift:
"Hier ruht einer, der Vorfahrt hatte".
2. Berufsverkehr hat Vorrang vor der Sportschifferei, die Barkasse also Wegerecht, nicht aber das vereinseigene oder -fremde Motorboot, doch bleibe der obigen Grabstein unvergessen.
3. Segler haben Wegerecht gegenüber Nicht-Seglern, und Surfer sind ...  STOP hier war was falsch! ... Surfer sind in manchen Revieren sehr wohl Segler, in anderen nicht (das werde ich gelegentlich mal erläutern). Also macht's wie mit den Motorrädern auf der Autobahn: Gebt Ihnen Narrenfreiheit! Surfer sind im Zweifel Segler!!!
4. Regatta-Teilnehmer haben de jure kein Wegerecht gegenüber Nicht-Teilnehmern, sondern können nur auf deren Verständnis hoffen.
5. Auch in Regatten ist das gewaltsame Durchsetzen des Wegerechts nicht mehr gestattet, Bootsberührungen sind auszuschließen, wenngleich alte Regattahasen immer noch mit längst abgeschafften "Quer-ab"-Regeln kommen...


Nun zu uns Seglern (Dickschiff-Skipper eingeschlossen)

Über allem steht:
keine Kollisionen !
In einer Regatta werden beide Boote disqualifiziert - unabhängig vom Wegerecht.



R1. "Segel links, Vorfahrt bringt's"   [ bei Wind von unterschiedlichen Seiten ]

Wannimmer zwei Segler auf unterschiedlichem Bug segeln, d.h.
mit dem Wind von unterschiedlicher Seite, also
der eine das Großsegel links (auf Backbord mit Wind von Steuerbord) führt und der
andere rechts,
dann und nur dann gilt, dass
das Boot mit Groß auf Backbord Wegerecht hat,
das Boot mit Groß auf Steuerbord sich freihalten muss
(die nachfolgenden Regeln 2a & 2b & 2c treffen dann nicht zu!).
 
Die erste Frage ist also stets: Segel auf unterschiedlichen Seiten - ja oder nein? Auch wer als eigefleische(r) Seemann/-frau rechts vor sich das grüne Wantenbändsel sieht (also das Groß-"Segel  links" an Backbord führt), kommt nicht umhin zu schauen, ob der Andere nicht vielleicht für sich dasselbe sieht: Dann nämlich ... (s.2) ...
Fallt nicht auf solch' blöde Legenden herein!
 
R 1

Wer das Großsegel an Backbord führt, hat Wegerecht gegenüber dem an Steuerbord.
Die Begriffe "Backbord-/Steuerbord-Bug" wurden schon sehr missverständlich gebraucht, deshalb bleibe ich als alter Sturkopp  bei "links"!
Zwar gibt's platt vorm Laken  eigentlich keinen Wind von irgendeiner Seite, sondern nur von achtern, aber kennzeichnend bleibt die Stellung des Großsegels.

R 1a          R 1b

Es ist völlig irrelevant, wer in Lee und wer in Luv liegt oder wer achteraus oder voraus liegt!


2. Wenn die Boote auf demselben Bug segeln, d.h.
mit dem Wind von derselben Seite, also
ihre Großsegel auf derselben Seite führen
- egal ob auf Backbord oder auf Steuerbord -,
dann und nur dann gilt nicht obige Regel 1, sondern eine der folgenden:

R2a. "Lee vor Luv"  (E vor U)   [ bei Wind von gleicher Seite mit Überlappung ]

Liegt ein Boot nicht klar voraus bzw achteraus zum anderen, dann "überlappen" sie sich und eines liegt in Luv (in Windrichtung näher zum Wind) und das andere in Lee 

(Bild noch in Arbeit)

und dann und nur dann gilt, dass
das Leeboot Wegerecht hat,
das Luv-Boot sich freihalten muss.


           (Erstes Bild in Überarbeitung)                      [ bei Wind von gleicher Seite ]
                                                                                      R 2b            
Merke:
Ein Lee-Boot befindet sich auf der Lee-Seite des eigenen Bootes, also hinter dem eigenen Groß,
das Luv-Boot beindet sich auf der Luv-Seite des eigenen Bootes, also im Rücken des Jollen-Skippers.

Es ist völlig irrelevant, wer weiter vorn liegt und wer zurück oder auf welcher Seite das Groß steht (da es ja bei beiden Booten auf derselben Seite steht)!

* * *

R2b. "Vorn geht vor"   [ bei Wind von gleicher Seite ohne Überlappung ]

Liegt ein Boot klar voraus bzw klar achteraus zum anderen, dann "überlappen" sie nicht

dann und nur dann gilt, dass
das Boot klar voraus Wegerecht hat,
das klar achteraus liegende sich freihalten muss.

R 3

Die Zustände "klar voraus" und "klar achteraus" ergeben sich nur, wenn Boote sich nicht überlappen, sich also keins im "Schatten" des anderen befindet.

Es ist völlig irrelevant, wer näher am Wind liegt oder auf welcher Seite das Groß steht (da es ja bei beiden Booten auf derselben Seite steht).


Noch einmal zum x-ten Mal:
R1 "Segel links, Vorfahrt bringt's" ist die erste, oberste Regel.
R2a bzw R2b gelten nur, wenn R1 nicht gilt (weil nämlich die Segel auf der gleichen Seite stehen),
es gilt dann
entweder 2a "Lee vor Luv"         (wenn nämlich Überlappung
oder         2b "Vorn geht vor"      (wenn nämlich keine Überlappung)


Es gilt also stets nur eine der drei Regeln - ganz eindeutig:

ALSO:
1. Frage: Wind von unterschiedlichen Seite?
Ja     > R1 "Segel links - Vorfahrt bringt's"
Nein > 2. Frage: Überlappung?
Ja     > R2a "Lee vor Luv"
Nein > R2b "Vorn geht vor"


3. An dieser Stelle wollen wir uns gleich einige Ergänzungen für Regatten einbläuen, da sie in direktem Zusammenhang stehen mit bisherigen Ausführungen. Es sind Ergänzungen, die einen fairen Wettbewerb sicherstellen sollen; es sind keine Änderungen!

3a. Neu-Überlappung 
[ bei Wind von gleicher Seite ]

Wenn ein klar achteraus liegendes Boot zum Überholen ansetzt und eine Überlappung herstellt, ändert sich die Wegerechtssituation, denn statt R2b (ohne Überlappung) "Vorn geht vor" gilt ja von diesem Augenblick an R2a (mit Überlappung) "Lee vor Luv". Dazu ergänzen die Wettfahrtsregeln (§ 17):

(1) Bei Überholung in Luv, wobei der Wind den Überholer begünstigt, aber bei dem Überholten als Lee-Boot das Wegerecht bleibt, darf der Überholte den Überholversuch dadurch abzuwehren versuchen, dass er sogar über den richtigen Kurs (das ist der vernünftige Kurs zum nächsten Teilziel) hinaus anluvt - allerdings nur so, dass für den Überholer auch eine Ausweichmöglichkeit bleibt.
(2) Bei Überholung in Lee, was dem Überholer nun Wegerecht gibt, darf dieser nicht den Überholten "abquetschen", indem er über den richtigen Kurs hinaus anluvt. Ebensowenig darf der Überholte den Angriff durch Abfallen abwehren, denn er muss sich als Luv-Boot ja freihalten, der Überholer in Lee hat ab der Überlappung Wegerecht.
Beide Regeln sollen das Überholen erschweren, gelten aber auch nur bei Wind von gleicher Seite; R 1 "Segel links, Vorfahrt bringt's" bleibt vorrangig. Und sie gelten erst nach dem Startsignal (da es vorher noch keinen richtigen Kurs gibt).
Das frühere Recht ("Mast querab"), den Anderen abzuquetschen, gilt nicht mehr!
* * *

3b. Auf Regatten: Ketten-Überlappung                                         [ bei Wind von gleicher Seite ]


Wenn sich in einer Gruppe zwei Boote überlappen und das zweite mit einem dritten (u.s.w), dann gilt die ganze Kette als überlappt, also auch das erste Boot mit dem dritten (u.s.w.) - auch dann, wenn das dritte Boot zum ersten klar achteraus liegt.
Für alle gilt (Segel auf gleicher Seite vorausgesetzt!) R2a "Lee vor Luv". Führt eines der Boote das Segel auf der anderen Seite, gilt für dieses natürlich wieder R1 " Segel links...".
[Bild folgt]


Bevor wir uns nun auf die Regatta-Bahn stürzen und dabei vielleicht sogar von einem übelwollenden Kontrahenten vor die Schranken eines Schiedsgerichts gezerrt werden, wo wir - daran sei erneut eindringlich erinnert - "wie auf Hoher See allein in Gottes Hand" sind, seien wir eingedenk, das dies bisher bei weitem noch nicht alle Bestimmungen sind, welche uns die Offiziellen auferlegt haben. Also weiter!


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